Larissa Brockmann

Larissa Brockmann ist Mitglied des Fachschaftsrates Psychologie an der Uni Hamburg und engagiert sich dafür, dass an das neue Psychotherapeutengesetz angepasste Psychologiestudiengänge von der Stadt finanziert werden. Im Interview erzählt sie, warum.

Das Interview führte Eric Recke

1. Sie haben als Fachschaftsratsmitglied der Psychologie die Petition “Psychologie-Approbationsstudiengänge an der UHH drohen an Finanzierung zu scheitern” gestartet. Was hat es damit auf sich?

Am 01.09.2020 tritt das neue Psychotherapeutengesetz in Kraft, mit dem endlich verbesserte Ausbildungsbedingungen für PsychotherapeutInnen geschaffen werden. Dieses Gesetz sieht auch eine Umstrukturierung der Psychologie-Studiengänge vor. Zu Beginn des Wintersemesters 2020/2021 sollen diese reformierten Studiengänge bundesweit an den Universitäten anlaufen. Nun haben wir als Fachschaftsrat (studentische Vertretung der Psychologie-Studierenden; FSR) aber kürzlich erfahren, dass die dafür benötigte Finanzierung in Hamburg nicht bereitgestellt wird. Dies ist für uns absolut nicht hinnehmbar. Daher haben wir als FSR ein Positionspapier aufgesetzt und eine Petition zu diesem Anliegen gestartet, um die Dringlichkeit zu verdeutlichen.

2. Wie kam die jetzige Situation zustande?

Ursprünglich sollte es Fördermittel vom Bund für die Umsetzung des Psychotherapeutengesetzes geben, die aber zurückgezogen wurden. Nun hängt die Finanzierung an der Universität Hamburg und der Hamburger Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG). Nach aktuellem Stand wird aber keine dieser Instanzen die finanziellen Mittel dieses Jahr aufbringen.

3. Was befürchten Sie, wird passieren, wenn Ihre Forderungen nicht erfüllt werden?

Ohne die Finanzierung gibt es keine neuen Studiengänge. Diese sind aber ab September 2020 laut des Psychotherapeutengesetzes der einzige Weg, die Approbation zum/zur PsychotherapeutIn zu erlangen. Somit können alle Psychologie-Studierenden, die dieses Jahr an der Universität Hamburg ihr Studium beginnen werden, nicht den Berufsweg zum/zur PsychotherapeutIn einschlagen. Dieser Problematik dürften sich viele StudienbewerberInnen gar nicht bewusst sein, daher ist es umso wichtiger, sie darüber zu informieren. Schließlich beginnt ein Großteil der Psychologie-Studierenden das Studium auch mit dem Ziel, später therapeutisch tätig zu sein. Die Universität Hamburg verliert also gerade bei diesen Studieninteressierten drastisch an Attraktivität und im Endeffekt einen ganzen Jahrgang an potenziellen PsychotherapeutInnen.

Als einzige Alternative besteht am äußerst beliebten Studienstandort Hamburg dann nur das Studieren an teuren Privatuniversitäten. Im Sinne der Bildungsgerechtigkeit ist das ein verheerender Schritt in die falsche Richtung. Ein wesentliches Ziel bei der Reform des Psychotherapeutengesetzes, nämlich die finanzielle Entlastung von angehenden PsychotherapeutInnen, wird dabei gänzlich verfehlt. Der Beruf PsychotherapeutIn ist dann nur noch für einige wenige Privilegierte in Hamburg erreichbar. Dabei gibt es jetzt schon eine starke soziale Kluft zwischen TherapeutInnen und PatientInnen, die den Therapieerfolg maßgeblich negativ beeinflussen kann.

4. Was halten Sie für eine optimale Lösung in dieser Lage?

Die einzige Lösung besteht darin, die finanziellen Mittel für die neuen Studiengänge dieses Jahr bereitzustellen, wie wir es auch in unserer Petition fordern. Das ist die einzige Möglichkeit, um die oben aufgeführten Folgen abzuwenden. Aktuell wird dies aber ausgeschlossen und selbst für das nächste Jahr ist die Finanzierung noch keineswegs gesichert. Damit wird aber mindestens ein Jahrgang Psychologie-Studierender komplett in  Ungewissheit bezüglich ihrer Zukunft gelassen. Hier muss dann dringendst eine finanzierte und gesetzlich abgesicherte Möglichkeit für den schnellstmöglichen Übergang in die neuen Studiengänge gefunden werden. Eine solche Übergangsregelung ist nach aktuellem gesetzlichen sowie finanziellen Stand nicht gegeben.

5. Wie können sich Interessierte für die Unterstützung Ihres Anliegens jetzt einbringen?

Gerade wegen der steigenden psychischen Belastung durch die Corona-Krise und der schon vorhandenen Unterversorgung an PsychotherapeutInnen in Deutschland sind wir alle von diesem Problem betroffen und werden in den nächsten Jahren die Auswirkungen spüren. Wir brauchen mehr PsychotherapeutInnen, nicht weniger. Und wir brauchen für sie vor allem faire und auch tragbare Ausbildungsbedingungen. Dabei kann uns jeder durch eine Unterschrift bei unserer Petition und das Teilen dieser, maßgeblich unterstützen.

Außerdem müssen wir auf diesen Missstand in der Öffentlichkeit und Politik aufmerksam machen. Wendet euch an eure lokalen Zeitungen, die Politiker der Hamburgischen Bürgerschaft, sowie Mitarbeiter der BWFG und verweist dabei auf unsere Petition. Der öffentliche Druck ist jetzt unser einziges Mittel, um noch was zu bewegen!